Sister Act
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Gerade mal mit Highschool fertig, gab es für Tegan und ihre Schwester Sara nur eine Möglichkeit, den plötzlich
autretenden Wohngeldforderungen ihrer Mutter Rechnung zu tragen: Sie spielten ein paar Gigs
in der Nachbarschaft. Mit einem Sieg beim Calgary - Talentwettbewerb in der Tasche gar keine so schlechte Entscheidung,
angesichts der ansonsten drohenden akademischen Hölle. Die erste eigene CD weckte alsbald das Interesse von fellow
canadian Neil Youngs eigenem Label "Vapor Records", ein zusätzliches Gütesiegel. Mit "If It Was You"
liegt nun der zweite Longplayer vor, ein wundervolles Pop - Folk - Rock Sammelsurium an schönen, schrammelig -
schrulligen Songs, die allesamt Herz sowie die nötigen Ecken und Kanten am richtigen Fleck
haben und zugleich Tegans Liebe zu den leider verblichenen Catatonia hörbar unter Beweis stellen.
Während die beiden zuvor noch als Akustik - Duo unterwegs waren, haben sie für das neue Werk
durchweg erfolgreich das Band - Experiment gewagt. Ein musikalischer Reifeprozess der,
nach Tegan, auch mit einem aus-, und umzugsbedingten Abnabelungsprozess einher geht:
"Wir sind einfach gefestigter und selbstbewusster geworden. Die Leute, mit denen wir gespielt
haben, haben uns auch ermutigt, ein bisschen lauter zu werden und mehr Gas zu geben.
Wir leben beide mittlerweile in einer neuen Stadt und hatten so keine Familie oder Freunde mehr, die uns ablenken konnten.
Während der Vorbereitungen für das Album haben wir uns vor allem von der Musik der späten Siebziger und den Anfängen der
Achtziger inspirieren lassen. 1984 waren wir vier und fünf jahre alt, saßen vor dem Fernseher
haben Cartoons geschaut und Cheerios gegessen und eben nicht The Clash gehört.
Wir haben also ziemlich viel coole Mucke verpasst, weshalb wir uns jetzt damit auseinandergestetzt
und versucht haben, diese Leidenschaft in der Musik auf unsere eigene zu übertragen."
Obwohl sich beide in gleichen Teilen für die Songs verantwortlich zeichnen, geht jeder
beim Songwriting seine eigenen Wege. Eine Tatsache, die durchaus den Reiz der Abwechslung
der Stücke unterstreicht.
"Sara und ich schreiben immer komplett unabhängig voneinander und präsentieren uns erst danach
die Ergebnisse. Das funktioniert besser für uns, weil wir so unsere eigene Arbeit mehr genießen können
und es gleichzeitig unsere Beziehung und das Aufeinanderhängen auf Tour stark vereinfacht."
Also doch keine innige Geschwisterliebe?
" Ich denke, es geht jedem so, wenn man ständig miteinander rumhängt, fängt man an sich zu hassen.
Aber auf der anderen Seite vertraue ich niemandem so wie Sara, ich weiß, dass sie mir immer Rückendeckung geben wird.
Natürlich gehen wir uns auf die Nerven, aber wir werden dabei nicht gewalttätig,
auch wenn ab und an ein kleiner Ringkampf stattfindet, den ich gewinne, weil ich
stärker bin. Ich glaube, wir kommen am besten miteinander klar, wenn wir zusammen spielen.
Trotzdem behält jeder die Freiheit bei seinen Songs, wir nehmen uns nur gegenseitig die Backings auf."
Somit versehen die zwei auch lyrisch die Songs mit ihrer jeweiligen persönlichen Note,
auch wenn sie eher melancholische Tendenz teilen.
" Ich schreibe immer über Einsamkeit, Herz zerbrechende Liebe, einfach die ganze Traurigkeit
in der Welt. Ich bin da ziemlich selbstbezogen, manchmal reicht schon ein schlechtes Mittagessen aus,
damit ich mich schlecht fühle. Gleichzeitig mache ich mich aber auch selbst gern lustig darüber,
obwohl ich es eigentlich ernst meine."
Mit gängigen Klischeevorstellungen über "Girl - music" haben beide gleichsam
wenig am Hut, weil sie sich aus dem Spiel um Image und Schein weitgehendst
heraushalten.
" Wir wollen unsere Musik und nicht unsere Gesichter verkaufen. Klar, Frauen haben es
im Rockbiz schwerer, aber ich fühl mich nicht weniger künstlerisch wertvoll, nur weil ich eine Frau bin.
Ich hoffe, wir können ein wenig dazu beitragen, diese Mauern aufzubrechen, weil unsere Songs
universell und allgemeingültig sind. Wir schreiben über Liebe und das dürfte eigentlich
jeder verstehen. Nein, das stimmt so nicht, denn eigentlich vertsehen wir ja alle die Liebe nicht.
Darum geht es ja und ich hoffe, damit können sich Jungs genauso identifizieren."
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Text: Frank Thießies
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