Persönliches Interview mit Tegan - München 2007, Ampere

Ihr seid seit so vielen Monaten unterwegs. Wie gestaltet Ihr euer Leben während der Tour angenehm?

Es beginnt mit kleinen Dingen, zum Beispiel nehme ich mein eigenes Bettzeug und mein Kissen mit. Das ist komfortabler und ich mag es. Außerdem versuchen wir uns nicht zu erdrücken. Wir versuchen nicht allzu lang zu touren und unsere Freunde oder Freundinnen bei uns zu haben, so oft es möglich ist. In jedem Land versuchen wir durch verschiedene Telefonkarten in Kontakt zu bleiben. Das Internet und die Möglichkeit E-Mails zu schreiben macht es auch leichter und es ist sehr von Vorteil. So hab ich nicht das Gefühl die Verbindung zu verlieren.

Was ist inspirierender für dich Texte zu schreiben: Emotionen oder bildliche Eindrücke?

Also, ich für mich schreibe Texte über meine eigenen Erfahrungen. Ich schreibe nicht über andere, sondern über mich. Aber wenn ich etwas veröffentliche wird es universell. Ich schreibe mit Sicherheit gerne über meine Emotionen, über Erfahrungen und was ich dabei empfinde. Allerdings sind keine speziellen Vorkommnisse gemeint. Zum Beispiel bei "The Con" : Ich meine, wenn ich sage "Encircle me" eigentlich nicht, dass mich etwas runter zieht, sondern dass ich eher das Gefühl habe, außer Kontrolle zu sein und ich jemanden brauche, der es aufhält und mir hilft mich besser zu fühlen. Das klingt mehr nach Emotionen, weniger nach einer Bestandsaufnahme. Ich lasse mich weniger durch bildliche Einflüsse inspirieren, aber Sara arbeitet damit. Zum Beispiel beschreibt sei bei "Back in your Head" den Bücherstapel in ihrem Bett. Also, ich denke Sara schreibt mehr visuell und ich emotional.

Kannst du dich daran erinnern, wie du dich bei eurem allerersten Konzert beim ersten Lied gefühlt hast?

[Lacht] Wir haben eine Menge Konzerte für Freunde gegeben, in Kellern und Garagen. Ich kann mich nicht wirklich daran erinnern. Aber das erste Tegan and Sara Konzert, bei dem es nur um uns ging... doch, ich kann mich an die Show und den ersten Song erinnern. Ich war so aufgeregt und nervös. Es waren hauptsächlich Freunde und Familie da und es waren einfach wir, also Tegan and Sara bzw. zu der Zeit noch Sara and Tegan. Ich habe es sehr gemocht. Eigentlich bin ich, wenn ich allein bin, eher schüchtern und introvertiert. Aber wenn ich auf die Bühne gehe, mag ich es, die Leute zum Lachen zu bringen und ich mag es, dass die Leute, die im Publikum stehen, genießen was ich tue. Das ist eine sehr intensive gegenseitige Beeinflussung.

Bevor ein Konzert von euch beginnt, läuft Musik, die eingespielt wird z.Bsp.: The White Stripes oder Of Montreal. Wählt ihr die Lieder selbst aus?

Ja, das ist mein Mix. Wir stellen für jede Tour etwas anderes zusammen. Ich würde es gern jede Nacht ändern. In Nordamerika sprachen wir darüber, etwas für die Bühne zu arrangieren. Vielleicht einen Mischer mit ein paar Ipods, der dann zusammenstellen kann was er will. Hauptsächlich damit er jede Nacht einen neuen Soundtrack machen kann. Ja, Musik ist so wichtig. Du musst für das Publikum die richtige Auswahl treffen. Ich achte darauf Sachen zu finden, die nicht nach uns klingen. Vielleicht auch Lieder, die man dort zum ersten Mal hört. Dann wünsche ich mir ich könnte auf der Bühne stehen und sagen: "Ok, das nächste Lied ist von einer Band Namens Of Montreal. Los gehts. Das müsst ihr euch anhören."

Was für Musik hörst du persönlich?

Das ist leicht. Ich wähle natürlich Bands die ich im Moment gerne höre. Ich mag "The National", das Album ist wirklich gut und das neue "The New Pornographer" Album ist ebenfalls sehr schön.

Dan und Jonny sind zum ersten Mal mit euch unterwegs. Was für Kompetenzen sollte ein Musiker haben, der mit euch auf Tour gehen möchte?

Ich denke, das ist eine feine Balance, denn sie sind die Begleitband und auch unsere Freunde, aber im Grunde bezahlen wir sie dafür hier zu sein. Du musst jemanden finden, der großartig ist. Ein herausragender Musiker, der das Projekt und auch uns versteht. Ich denke, es ist für die Jungs nicht immer einfach. Die Leute, die mit uns touren, sind fortschrittlich und alternativ in ihrer Art zu denken. Es müssen Freunde sein, mit denen du gut zurecht kommst, denn du verbringst eine Menge Zeit mit ihnen. Wir schlafen alle in einem Bus und sind daher sehr nah aneinander dran. Da musst du stark sein.

Emily Storey hat schon bei der Gestaltung des Albums "So Jealous" mitgewirkt. Wann genau begann eure Zusammenarbeit?

Sie begann genau zum Ende von "If it Was You" mit uns zu arbeiten. Sie entwarf Merchandise - Sachen und Poster. Eigentlich alles für "So Jealous", auch die Website.

The Con wird in Deutschland erst im Februar veröffentlicht. Was hältst du von der Möglichkeit, es schon vorher über Internet zu bekommen z.Bsp. über ebay.uk ?

Wir leben nicht mehr im Mittelalter, wir wissen, dass sich die Leute das Album auch beschaffen, wenn es noch nicht veröffentlicht ist. Wenn sie es wollen bekommen sie es auch. Eigentlich ist es mir egal WIE sie es bekommen, SOLANGE sie es bekommen. Ich möchte ja auch, dass sie sich mit unserer Arbeit beschäftigen, die Texte lesen und die Musik hören um es richtig zu verstehen. Egal wie du rankommst, es ist nur wichtig, dass du es bekommst. Ich meine, ich weiß auch, dass Leute manchmal mehr Geld dafür zahlen als sie sollten. Ein Mädchen kam zu mir und erzählte, das sie 200$ für eine CD bezahlen musste und das macht mich wirklich traurig, denn es ist nicht gerechtfertigt 200$ dafür zu verlangen, wenn das Plattenlabel es noch nichtmal zu schätzen weiß. In diesem Fall würde ich raten es kostenlos zu downloaden statt soviel Geld auszugeben.

Jedes Lied von "The Con" hat seine eigene Geschichte, aber gibt es eine alles umfassende Geschichte hinter dem Album?

Sicherlich. Ich denke, es ist eine Idee. Alle diese Lieder handeln vom Alleinsein. Ob du aufwachst und jemanden neben dir hast, oder du aufwachst und allein bist - du bist allein. Oder eine letzte Minute oder ein Tag, an dem du einen Moment hast, in dem du dich überwältigt fühlst. Vielleicht bist du total ängstlich und hast grundlos Furcht vor dem, was du für dich gewählt hast. Oder du bist traurig, wenn du zurück denkst und es ist ausgeschlossen, dass du etwas tun kannst. Du verhältst dich als wäre alles in Ordnung, vielleicht bringst du dich in Ordnung, vielleicht aber weckst du die Person neben dir auf und sagst ihr, dass du nicht o.k. bist. Ich denke alle Lieder verkörpern diese Idee, dass du an einem gewissen Punkt dein Innerstes nach Außen kehrst. Du wünschst dir mit jemandem zusammenzusein und alle anderen verstehen das nicht. Du wirst total wahnsinnig und projiziert deine ganze Energie auf etwas, das sich niemals verwirklichen lässt. Du musst einfach ausflippen, um dann endlich anzunehmen, dass es eben so ist.

Was für ein Text steht auf dem "The Con" Cover?

Eigentlich ist es ein Ausschnitt aus einem Buch, von Dreck umgeben. Ich denke, es vermittelt visuell eine tiefere Bedeutung, wie auch ein Buch - versteckt in den einzelnen Seiten hinter der Oberfläche. Das ist auch der Hauptgedanke des Albums, dass es hinter dem Ganzen immer einzelne Kapitel gibt.

Was bedeutet die Zeile "Now we say goodbye" aus dem Song "Nineteen"?

In dem Lied geht es für mich nicht darum, dass ich 19 bin, sondern dass ich mich wie 19 fühle. Für mich bedeutete 19 zu sein, dass ich von zu Hause wegzog und mich verliebte. Es war eine eigenartige Beziehung, welche sehr schnell begann und auch schnell endete. Als ich begann an dem Album zu schreiben, ließ ich mich auf jemanden ein. Wir hatten eine sehr intensive 6 monatige Beziehung. Aber es war keine richtige Beziehung sondern nur über Telefon. Wir redeten sehr viel und es war wirklich heftig. Das Lied ist über diese Beziehung und vor allem über das Gefühl, mich wieder wie 19 zu fühlen. Es war zu Ende eh es begann und ich war bereits von Anfang an traurig. Ich denke, "Nineteen" steht für eine gewisse Art von Beziehung. Verrückt und intensiv. Einfach drauf los gehen ohne nachzudenken.

Es ist sehr schwierig, ohne Kreditkarte von Deutschland aus Sachen von euch zu bestellen. Gibt es eine andere Möglichkeit?

Also, wenn wir auf Tour sind, gibt es Shirts und andere Fanartikel zu kaufen. Die sind im Moment aber ausverkauft. Aber wir kommen im Februar wieder. Dann wird es mehrere Gelegenheiten geben, neue Modelle und auch bessere Shirts. Wir arbeiten daran, aber es ist schwierig. Alles ist so verdammt kompliziert, besonders bei Merchandise. Es gibt verschiedene Standards und Regeln, was man importieren oder exportieren kann. Der einfachste Weg etwas zu bekommen, ist wohl uns live zu sehen oder einfach jemanden zu fragen, der eine Kreditkarte hat.

Ihr habt schon mit vielen verschiedenen Künstlern zusammen gearbeitet z.Bsp.: auch mit Rachael Cantu und Vivek Shraya. Wie kam das zustande?

Rachael Cantu lernte ich durch unser letztes Album kennen. Sie mochte uns und kontaktierte Emy über unsere Website. Es entwickelte sich eine Freundschaft und Emy gab uns ihr Album und meinte, wir sollten das Mädchen mal kennenlernen. Wir tourten gerade an der Ostküste und Rachael lebte zu der Zeit in Boston. Also nahmen wir sie einfach mit und lernten sie besser kennen. Vivek stand vor 5 Jahren bei uns im Publikum und bewarf mich mit seiner CD. Er traf mich, nach dem Konzert hörte ich rein und fand es großartig.

Zusammenfassung
© Stephanie Voigt



Tegan and Sara haben für    Spinner Kanada   an einem "LAUGH, RAGE and CRY" Blog teilgenommen und geben uns damit einen kleinen Einblick in ihre Emotionen.

Tegan Quin (22. Oktober 2008)   Theme: CRY
Sara Quin (29. Oktober 2008)   Theme: RAGE
Tegan Quin (05. November 2008)   Theme: LAUGH
Tegan Quin (10. November 2008)   Theme: RAGE
Sara Quin (10. November 2008)   Theme: CRY
Sara Quin (19. November 2008)   Theme: LAUGH